Reifen wechseln oder wechseln lassen?

Reifen selber wechseln - kein Problem!

Zweimal im Jahr holen Schrauber, Hobbyheimwerker und Autoenthusiasten das Werkzeug aus der Garage und wechseln Reifen. Doch auch neben dem turnusmäßigen Wechsel von Winter- auf Sommerreifen, oder umgekehrt, gibt es immer wieder Anlässe, ein Rad auszutauschen. Mit dem richtigen Werkzeug und dem Wissen über das Wie und Was gelingt der Radwechsel einfach, sicher und schnell.

Warum überhaupt Reifen wechseln?

Es gibt nicht den einen Grund, warum man Reifen wechselt. Noch vor wenigen Jahrzehnten war die Sachlage sehr einfach. Entweder war ein Reifen defekt, das Profil war bis an das zulässige Maß hin abgefahren, oder aber es stand der Wechsel zwischen Winterreifen und Sommerreifen an. Heute sieht es dagegen etwas weniger übersichtlich aus.

Sommer- und Winterreifen

Vielleicht erinnerst Du dich auch noch an den Leitsatz aus der Fahrschule, wann idealerweise die Räder gewechselt werden sollten. „Von O bis O“ bezeichnete Ostern und Oktober als klassische Zeiten, um sich der jeweils kommenden Jahreszeit reifentechnisch anzupassen. Heute hat dieser Leitsatz natürlich immer noch seine Gültigkeit. Allerdings wird er durch gesetzliche Regelungen ergänzt. §2 Absatz 3a der Straßenverkehrsordnung sagt, geeignete Winter- oder Ganzjahresreifen müssen genutzt werden, wenn „Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte“ vorherrschen.

Mittlerweile bieten Reifenhersteller neben klassischen Saisonreifen auch Modelle, die auf Grund von Profilierung und Gummimischung ganzjährig gefahren werden können. Zwar werden diese Allwetterreifen nie an die spezifische Leistungsfähigkeit speziell für winterliche Bedingungen oder aber sommerliche Hitze angepasster Reifen heranreichen. Sie bieten aber einen guten Kompromiss zwischen den verschiedenen Anforderungen. Meist erfolgt bei Ganzjahresreifen lediglich eine Einschränkung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit, da die universelle Anpassung an unterschiedlichste Wetterbedingungen nur bis zu einem bestimmten Tempolimit hin sichergestellt werden kann.

ACHTUNG: Die gesetzliche Forderung geeigneter Winterbereifung bedeutet keinesfalls, dass Sommerräder im Winter generell verboten sind. Lediglich dann, wenn die Witterung es durch Eis, Schnee, Nässe und Kälte erfordert, müssen die entsprechenden Gummis aufgezogen sein. Aus rein praktischen Erwägungen heraus dürfte jedoch ein Wechsel oder der Griff zum Ganzjahres-Pneu in den meisten Fällen die sinnvollste Alternative darstellen.

Wie oft wechseln?

Ganz gleich, ob es sich um saisonale Bereifungen, oder aber um Ganzjahresräder handelt, irgendwann hat jeder Reifen sein Limit erreicht. Das kann entweder dann der Fall sein, wenn der Reifen zu stark abgefahren ist, oder aber, wenn die Gummimischung auf Grund der Alterung ihre haftenden Eigenschaften verliert.

In Sachen Alter gehen die Meinungen der Fachleute recht weit auseinander. Immer wieder findest Du Angaben, dass nach rund sechs Jahren ein Reifen ersetzt werden sollte. Einige Fachleute gehen aber auch davon aus, dass hochwertige Markenreifen sogar acht bis zehn Jahre halten, ohne dass sich die Gummimischung nachteilig verändert.

Bei der Profiltiefe gestalten sich die Meinungen dagegen deutlich einfacher. Der Gesetzgeber fordert generell für alle Reifenarten einen Wechsel, sobald die Profiltiefe von 1,6 Millimetern erreicht ist. Anerkannte Verbände fordern jedoch deutlich früher einen Ersatz. Im Allgemeinen kannst Du davon ausgehen, dass die Leistungsfähigkeit Deiner Reifen bei Sommerreifen ab drei Millimetern und bei Winterreifen ab vier Millimetern verbleibender Profiltiefe bereits spürbar abnimmt.

Defekte an Reifen

Zuletzt verbleibt der klassische platte Reifen als Grund, diesen zu wechseln. Auch hier hält die moderne Technik Einzug, so dass noch lange nicht jeder Plattfuß sofort das Ende der Fahrt bedeutet. Reifen mit Notlaufeigenschaften ermöglichen eine vorübergehende, gemäßigte Weiterfahrt. Und auch die heute nahezu überall die Ersatzräder verdrängenden Pannensprays machen das Fahren mit platten Reifen begrenz möglich. All das sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass ein defekter Reifen unbedingt fachmännisch in Stand gesetzt, oder sogar ersetzt werden muss. Die benannten Hilfsmittel sind, wie eine Notrad, lediglich eine Notlösung, um nicht sofort am Ort der Panne gefangen zu sein. Spätestens nach der Fahrt zur nächstgelegenen Werkstatt ist ein neuer Reifen zwingend erforderlich.

Selber wechseln versus wechseln lassen

Nun stellt sich die Frage, was zu tun ist, wenn die Notwendigkeit eines Reifenwechsels erst einmal erkannt wurde. Wie immer gibt es zwei Möglichkeiten: Selber wechseln, oder wechseln lassen. Wie Du Dir sicherlich denken kannst, hat jede der zwei Alternativen ihre ganz eigenen Vorteile.
Für den Wechsel durch ein Fachunternehmen spricht folgendes:

  • Platz: Sowohl für den eigentlichen Radwechsel, als auch für die Lagerung der jeweils nicht benötigten Räder ist Platz erforderlich. Was im eigenen Haus mit Garage eher unkritisch erscheint, kann in der Mietwohnung dagegen leicht zum ausgewachsenen Problem werden. Fachwerkstätten verfügen über genügend Montagefläche und lagern die Räder gerne bis zum nächsten Wechsel ein.
  • Zeit: Selbst mit der erforderlichen Übung kostet der Radwechsel Zeit. Mit mehr Routine und besseren, meist kraftunterstützten Werkzeugen, gelingt dem Fachmann in wenigen Minuten, wofür Du trotz alljährlicher Übung deutlich länger brauchen würdest. Bist Du nicht bereit, diese Zeit zu investieren, lohnt der Gang zu Werkstatt.
  • Technik: Wo die Räder doch schon einmal unten sind, kann gleich ein freier, unbehinderter Blick auf Bremsscheiben und Beläge Klarheit über deren Zustand verschaffen. Während der Radwechsel auch dem Laien noch gut gelingen kann, benötigt man echte Fachkenntnis, um die Technik unter dem Rad gleich mit zu beurteilen. So lassen sich in der Fachwerkstatt zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Andererseits sprechen natürlich auch einige Dinge klar dafür, selbst Hand anzulegen:

  • Kosten: Ist das Werkzeug erst einmal vorhanden, erfolgt der Radwechsel im Do-it-Yourself-Verfahren völlig kostenfrei. Im Laufe der Zeit amortisiert sich das Werkzeug so mit Sicherheit und es springt darüber hinaus noch die eine oder andere Ersparnis für andere Zwecke heraus.
  • Zeit: Obwohl Du selbst sicher deutlich länger an einem Rad wechselst, als es die Werkstatt zu leisten vermag, kann der selbst vorgenommene Radwechsel eine echte Zeitersparnis bedeuten. Denn Du musst keinen Termin machen, musst nicht zur Werkstatt fahren und kannst die Arbeiten dann erledigen, wenn Du gerade Zeit findest.

Kosten für den Reifenwechsel vom Fachmann

Ein Thema der Abwägung für oder wider den eigenen Radwechsel dürften wohl bei allen Menschen die Kosten sein. Wer den Fachmann beauftragt, muss diesen selbstverständlich auch bezahlen. Dabei schwanken die Kosten von Anbieter zu Anbieter teils deutlich. Immer wieder finden sich besonders günstige Angebote, die den Radwechsel für 10,- EUR versprechen. Allerdings sind hierbei weder eventuell erforderliche Verschleißteile (Ventilkappen etc.), noch die Reinigung oder gar die Einlagerung der Räder inbegriffen. Auch den Blick auf die Bremsen im Rahmen des Radwechsels lassen sich nahezu alle Werkstätten extra vergüten. Im Endeffekt dürften die tatsächlichen Kosten deutlich höher ausfallen. Der Radwechsel mit Einlagerung der Räder für ein Jahr ist vielerorts für rund 60,- bis 80,- Euro zu bekommen.

Wer wechselt Reifen?

Zuallererst werden wohl die meisten Menschen bei der Frage nach einem Ansprechpartner für den Reifenwechsel die Autowerkstatt ihres Vertrauens benennen. Es liegt auf der Hand, wer Autos repariert und dabei ohnehin Räder abnimmt und wieder montiert, dem gelingt auch der einfache Wechsel des Radsatzes. Darüber hinaus bieten aber zahlreiche spezialisierte Werkstätten ausschließlich Radservice an. Das bringt für Dich als Kunde den Vorteil, dass die Kosten hier wegen der Spezialisierung meist etwas geringer ausfallen. Außerdem erhältst Du im Falle des Bedarfs in aller Regel eine größere Palette möglicher Neureifen und darüber hinaus eine gründliche Beratung. Während die klassische Kfz-Werkstatt den Radwechsel als Zusatzgeschäft mitnimmt, fußt das Geschäftsmodell eines Radservice einzig auf dieser Tätigkeit. Daher ist anzunehmen, dass die Bemühungen rund um das Thema Rad hier zu Deinem Vorteil noch etwas höher ausfallen dürften.

So lange dauert ein Reifenwechsel

Ganz gleich, wer für die Dich die Räder an deinem Auto wechselt – mit Erfahrung und passendem Werkzeug kostet der Wechsel selten mehr als zehn Minuten Deiner Zeit. Lediglich zusätzliche Tätigkeiten, wie etwa die Bremseninspektion, können die Verweildauer deines Autos in der Werkstatt weiter verlängern.

Legst Du dagegen selbst Hand an, kannst Du davon ausgehen, dass Dein Zeitbedarf deutlich darüber liegen dürfte. Sofern Du nicht über professionelles Werkzeug und eine Werkstattausstattung mit Hebebühne verfügst, gelingt ein kompletter Radwechsel mit allen vier Rädern selten unter einer halben Stunde. Dazu kommt dann noch die Zeit für die Vorbereitung und das Verräumen von Rädern und Werkzeug. Das gleiche gilt auch für die nicht zwingend erforderliche, aber dringend zu empfehlende Radwäsche.

Reifen selber wechseln – so geht es

Du bist Dir also sicher, dass Du deine Räder selber wechseln möchtest. Damit Dir das auch ohne umfassende Vorkenntnisse gelingt, findest Du hier die wichtigsten Informationen zu Werkzeugen und Arbeitsschritten:

Methoden und Arbeitsweisen

Obwohl es ja eigentlich immer mehrere Wege zum Ziel gibt, sind die Möglichkeiten beim Do-it-Yourself-Radwechsel in der Tat recht eingeschränkt. Entweder Du gehst in eine Mietwerkstatt, wo Du gegen Gebühr eine mehr oder weniger vollwertige Werkstattausstattung nutzen kannst. Dann gelingt nach einmaligem Positionieren Deines Fahrzeugs auf der Hebebühne der Wechsel aller vier Räder hintereinander.

Weit häufiger wirst Du wohl den klassischen Weg wählen und deinem Fahrzeug mit Wagenheber und Radkreuz zu Leibe rücken. Dann bleibt Dir nichts Anderes übrig, als ein Rad nach dem anderen vom Boden anzuheben, zu wechseln und danach wieder abzulassen. Natürlich sind Aufwand und Zeitbedarf hierbei dementsprechend höher.

Der Platzbedarf

Zuallererst stellt sich die Frage, wie viel Platz Du für Deinen Radwechsel wohl benötigen wirst. Idealerweise verfügst Du über eine Fläche, auf der dein Auto stehen kann und wo Du von beiden Seiten genügend Platz für die Arbeit hast. So musst Du zwar deine Werkzeuge umstellen, das Fahrzeug kann aber an Ort und Stelle verbleiben und muss nicht umgeparkt werden. Gehen wir von einem „normalen“, also durchschnittlichen PKW aus, hat das Fahrzeug selbst rund 2.00 Meter an Breite und bis zu 5,00m an Länge. Zu beiden Seiten solltest Du nun mindestens einen Meter Arbeitsraum haben, um effektiv und zugleich sicher agieren zu können. Das bedeutet, dass eine Fläche von ungefähr 4,00 mal 5,00 Metern vorhanden sein sollte. Steht die Breite nicht zur Verfügung, kannst Du den Platzbedarf noch einschränken, was aber zu Lasten der Bewegungsfreiheit und – ein gewisses Maß unterschritten – auch deiner Sicherheit geht.

Neben dem reinen Platzangebot sollte die Standfläche auch möglichst eben und waagerecht sein. Leicht nach vorn oder hinten geneigt ist ein Radwechsel zwar immer noch möglich, jedes Grad zusätzlicher Neigung reduziert aber letztlich die Standsicherheit deines Wagenhebers.

Zuletzt muss der Untergrund so fest und auch befestigt sein, dass Dein Wagenheber weder auf Kies, Schmutz oder Erde wegrutscht, noch im weichen Boden versinkt. Ideal sind daher asphaltierte, gepflasterte oder zumindest geschotterte und zugleich stark verdichtete Untergründe.

Werkzeuge

Nachdem alle Voraussetzungen geklärt sind, geht es nun an den Kern deines Radwechsels – das Werkzeug. Insgesamt ist die Palette erforderlicher Hilfsmittel recht überschaubar. Zwar bieten zusätzliche Hilfsmittel mehr Komfort, Du wirst aber überrascht sein, wie wenig Du für den erfolgreichen Radwechsel tatsächlich brauchst:

Der Wagenheber

Wenn du keine Hebebühne hast ist der Wagenheber unerlässlich.

Um überhaupt an einen Radwechsel denken zu können, muss das Rad zuallererst vom Boden angehoben werden. Das Mittel der Wahl ist hier der klassische Wagenheber. Unterschiedliche Modelle bieten verschiedene Vorteile von Gerätegewicht und -dimension über den erforderlichen Arbeitsraum bis hin zur Tragkraft. Achte hier unbedingt darauf, dass der Wagenheber für das Gewicht deines Fahrzeugs zugelassen ist. Einfache Scherenheber sind zwar besonders platzsparend, stehen dafür weniger sicher, als ein fahrbarer Rangierwagenheber auf vier Rollen oder Rädchen. Die Heber der Hersteller selbst haben zwar oft den Vorteil einer passenden Aufnahme für die Lastpunkte am Fahrzeugrahmen, bei sonstigen Serienprodukten lässt sich dieses Manko aber leicht durch einen Gummipuffer oder ein Stück Holz zwischen Aufnahme und Fahrzeugrahmen in den Griff kriegen.

Der Radschlüssel

Der Radschlüssel ist das einfachste Werkzeug, um die Radmuttern zu lösen und wieder anzuziehen. Als abgekröpfter Steckschlüssel mit Zweihandgriff ermöglicht er einen adäquaten Zugang zu den Radmuttern in der Felge, sowie eine Bedienung mit zwei Händen. So lassen sich in aller Regel auch festsitzende Muttern lösen. Sofern dein Auto noch mit einem Werkzeugsatz ausgestattet ist, zählt normalerweise eine einfacher Radschlüssel zum Standardumfang.

Das Radkreuz

Eine Sonderform des Radschlüssels stellt das Radkreuz dar. Wie der Name schon sagt, besteht es aus einem soliden Kreuz, an dessen vier Enden jeweils ein Steckschlüssel anderer Größe für die gängigen Radmutterngrößen angebracht ist. Meist reicht die Spanne der damit bearbeitbaren Muttern von 17 bis 21, manchmal auch noch eine Größe darunter oder darüber. Zwar ist das Radkreuz auf Grund seiner Größe und seines Gewichts kaum dazu geeignet, immer im Auto mitgeführt zu werden. Dafür kann es neben seiner Vielseitigkeit mit einer ganz anderen Stärke punkten: Entgegen dem normalen Radmutternschlüssel sitzt der gerade verwendete Steckschlüssel immer in der Mitte des am Rad angesetzten Werkzeugs. Durch die seitlich abgehenden Arme ist der Schlüssel während der Arbeit im Gleichgewicht und es kann gleichzeitig auf einer Seite gedrückt und auf einer Seite gezogen werden. Zum einen ist so eine deutlich größere Kraftübertragung möglich, darüber hinaus ist aber auch die Gefahr eines Abrutschens minimiert. Das Radkreuz ermöglicht daher ein sehr sicheres Arbeiten, selbst bei sehr fest sitzenden Radmuttern.

Der Drehmomentschlüssel

Drehmomentschluessel einstellen
Drehmomentschluessel einstellen

Eine Sonderstellung unter den Schlüsselvarianten beim Radwechsel nimmt der Drehmomentschlüssel ein. Als einziger Schlüssel ist er „nur“ für das Anziehen, nicht aber für das Lösen der Radmuttern geeignet. Auf diese Aufgabe ist er jedoch perfekt ausgerichtet. Je nach technischer Umsetzung wird bei einem Drehmomentschlüssel die übertragene Kraft in Newtonmetern (Nm) entweder angezeigt, vielfach aber sogar auf mechanischem oder elektronischem Wege nach oben hin begrenzt. So ist er das Werkzeug Nummer eins, wenn es darum geht, die Herstellervorgaben umzusetzen, wie fest die Radmuttern einerseits angezogen werden müssen, andererseits aber auch höchstens angezogen werden dürfen. Da Drehmomentschlüssel meist nicht speziell auf die Verwendung an Rad ausgerichtet sind, kann möglicherweise eine Verlängerung des Steckschlüssels nötig sein, damit Du mit dem Schlüssel während er Arbeit nicht die Felge, oder – noch schlimmer – den Kotflügel zerkratzt.

Kriechöl

Zwar nicht zwingend erforderlich, aber vielfach hilfreich, ist Kriechöl. Vor allem nach dem Winter wirst Du Dir oft schwer tun, selbst fachgerecht nach Herstellerangaben angezogene Radmuttern zu lösen. Grund dafür sind Tausalz, Feuchtigkeit und Schmutz, der zwischen Mutter und Gewindestab, bzw. zwischen Schraube und Gegengewinde gelangt. Kriechöl, wie beispielsweise die bekannten Produkte Caramba oder WD40, dringen genau dorthin vor und helfen, die Schraube oder Mutter zu lösen.

Die Drahtbürste

Eine feine Drahtbürste ist nach Meinung vieler „alter Hasen“ in Sachen Reifenwechsel ein absolutes Muss im Werkzeugsortiment. Sind alle Radmuttern oder Radschrauben gelöst, kann mit der Drahtbürste Schmutz und Korrosion vom Außengewinde in Gewinderichtung abgebürstet werden. So lässt sich das Gewinde bei der Radmontage leicht eindrehen. Außerdem fehlt die Grundlage für weitere Korrosion, so dass die Radmuttern auch beim nächsten Radwechsel voraussichtlich problemlos gelöst werden können.

Schritt für Schritt zum neuen Rad – die Anleitung für den eigenen Wechsel

Jetzt weißt Du, was Du alles für den erfolgreichen Radwechsel brauchst. Falls Du bisher aber noch nie selbst Hand an die Räder deines Autos angelegt hast, fehlen Dir immer noch einige Informationen, um den Radwechsel sicher bewältigen zu können. Mit den folgenden Arbeitsschritten wechselst auch Du die Räder zukünftig souverän:

Schritt 1 – Anheben

Parke Dein Fahrzeug in der Mitte der vorgesehenen Arbeitsfläche, stelle die Vorderräder gerade, lege einen Gang ein und zieh die Handbremse an. Damit ist dein Auto perfekt für den anstehenden Radwechsel vorbereitet. Nun beginnst Du an einem Rad und suchst zunächst die unter dem Schweller markierte Stelle für den Wagenheber. Wenn Du sie nicht findest, hilft Dir auch ein Blick in die Bedienungsanleitung. Platziere den Wagenheber so, dass er gerade steht und die Aufnahme direkt von unten an der richtigen Stelle des Rahmens ansetzt. Wenn Du über einen Wagenheber mit passender Aufnahme für den Rahmen Deines Autos verfügst, greift das Formteil meist in eine Nut oder Vertiefung im Rahmen. Bei Standard-Hebern solltest Du darauf achten, dass ein Stück Gummi oder Holz Dein Auto vor dem Metall des Wagenhebers schützt. Nun kurbelst oder pumpst Du Deinen Wagenheber nach oben, wobei Du möglichst gleichmäßig vorgehen solltest, um ein Verrutschen durch ruckhafte Bewegungen zu vermeiden. Zuerst siehst Du, wie dein Rad vollständig ausfedert, bevor es sich danach vom Boden hebt. Sobald zwischen Rad und Boden ein paar Zentimeter Platz sind, kannst Du mit dem Anheben aufhören. Dieser Platz ist nötig, um das Rad abnehmen bzw. aufsetzen zu können.

Nun kommt ein Punkt, bei dem sich Heimwerker und Fachleute meist streiten. Die einen sagen, dass der Wagenheber für die kurze Dauer während des Radwechsels sicher genug ist. Genau genommen müsste Dein Fahrzeug während der Arbeit am Rad jedoch so mit einem Stempel oder Kanthölzern unterbaut sein, dass es auch bei einem Absinken des Wagenhebers sicher in seiner Lage verbleibt. Welchen Weg Du hier einschlägst, solltest Du Dir vor Beginn der Arbeit gründlich überlegen.

Demontage

Ist das Rad vom Boden abgehoben, kannst Du es demontieren. Dazu löst Du mit einem Radschlüssel oder Radkreuz nacheinander die Radmuttern. Wenn Sie festsitzen, kannst Du sie auch ein kleines Stück weit lösen, bevor Du das Rad vom Boden anhebst. So kannst Du den sichereren Stand des Fahrzeugs ausnutzen und eine größere Kraft aufwenden. Nimm die Radmuttern bzw. Radschrauben ab und leg sie bei Seite. Hebe das Rad von der Nabe und lege es so zur Seite, dass es Dich bei der folgenden Montage des neuen Rads nicht behindert.

Montage

Vor der Montage des Rads solltest Du die Radmuttern mit einer Drahtbürste von Schmutz und Rost befreien. Achte außerdem darauf, ob Du für das alte und das neue Rad dieselben Muttern oder Schrauben verwenden kannst. Gerade Alufelgen verfügen oft über spezielle Muttern, die an die Formgebung der Felge angepasst ist. Nutzt Du beispielsweise im Winter unempfindliche Stahlfelgen und im Sommer schicke Alufelgen, kannst Du beinahe davon ausgehen, dass Du beim Radwechsel einen anderen Schrauben- oder Mutternsatz brauchst. Diesen hast Du üblicherweise mit den Rädern bekommen, so dass Du lediglich daran denken solltest, ihn auch zu verwenden.

Positioniere das neu zu montierende Rad vor der Nabe und drehe es bereits so, dass die Schraubenlöcher zu den Aufnahmen an der Nabe passen. Hebe nun das Rad auf die Nabe. Verfügt dein Fahrzeug über Gewindestangen an der Nabe, gestaltet sich das Aufsetzen sehr einfach. Weist die Nabe dagegen Gegengewinde für Radschrauben auf, musst Du die Schraubenlöcher der Räder genau über den Gegengewinden positionieren. Beginne nun mit der obersten Schraube und drehe Sie von Hand soweit ein, wie möglich. Nun hat das Rad Halt und kann nicht mehr von der Nabe kippen. Drehe alle anderen Schrauben oder Muttern ebenfalls handfest ein. Nun kommt der Drehmomentschlüssel zum Einsatz. Stelle ihn auf den in der Bedienungsanleitung deines Autos angegebenen Wert für die Räder ein und ziehe eine Radmutter an. Nun folgt die gegenüberliegende Radmutter. Achte darauf, immer möglichst gegenüberliegende Muttern nacheinander anzuziehen, da Du das Rad so besonders gleichmäßig und sicher anziehen kannst.

Falls Du Dir spezielles Werkzeug erst kürzlich angeschafft hast, wird Dir auffallen, dass der Steckschlüssel für die Radmuttern mit Kunststoff ummantelt ist. So besteht keine Gefahr, die Lackierung der Stahlfelgen, oder gar die empfindliche Oberfläche der Alufelgen zu beschädigen.

Ablassen und Kontrollieren

Ist das Rad fest montiert, lasse den Wagenheber vorsichtig ab, bis das Rad Bodenkontakt hat. Nun lässt Du ihn weiter ab, bis er sich vom Fahrzeug löst und entfernt werden kann. Bevor Du Dich an den Wechsel des nächsten Rads machst, solltest Du nochmals alle Muttern oder Schrauben mit dem Drehmomentschlüssel kontrollieren – wie gehabt immer über Kreuz bzw. gegenüberliegend. Denn durch die Belastung des Rads mit dem Fahrzeuggewicht kann es seine Lage auf der Nabe unter Umständen nochmals verändern, so dass einzelne Muttern nachgezogen werden müssen.

Hinweise und Tipps zum Reifenwechsel

Nun bist Du darauf vorbereitet, den Radwechsel an deinem Auto selbst vorzunehmen. Bevor zu loslegst, schau Dir aber trotzdem noch die folgenden Tipps und Tricks an, die Dir die Arbeit möglicherweise noch etwas erleichtern können:

  1. Felgenschutz: Ob älteres Kfz-Werkzeug oder auch Universalwerkzeug, immer wieder wirst Du Werkzeug ohne schützende Kunststoffummantelung vorfinden. Um Deine Felgen trotzdem nicht zu beschädigen, erfüllt eine Schicht Isolierband um den Kopf des Steckschlüssels dieselbe Funktion.
  2. Reinigung: Natürlich bedeutet die Radwäsche vor der Einlagerung einen gewissen Mehraufwand. Allerdings wirst Du dich beim nächsten Wechsel darüber freuen, nicht sofort beim ersten Griff ans Rad schmutzige Finger zu bekommen.
  3. Bedienungsanleitung. Obwohl die am Radwechsel beteiligten Komponenten sich bei allen Fahrzeugen stark ähneln, kann ein besonders exotisches Fahrzeug durchaus seine Eigenheiten mit sich bringen. Vor dem ersten Radwechsel solltest Du daher einen Blick ins Handbuch werfen, um mögliche Besonderheiten vor der Arbeit bereits zu kennen. So ersparst Du Dir Überraschungen und möglicherweise auch einiges an Mehraufwand.
  4. ACHTUNG: NIE rohe Gewalt! Lässt sich eine Radmutter einmal beim besten Willen nicht lösen, finden sich in „Fachforen“ immer wieder Tipps, wie man den Radschlüssel mit einer Verlängerung am Boden verkeilen kann und durch vorsichtiges Anfahren des Fahrzeugs die zum Lösen erforderliche Kraft aufbringen kann. Hiervor sei aber ausdrücklich gewarnt! Zu viele Unwägbarkeiten können den Erfolg dieser Maßnahme ins Gegenteil verkehren. Verkantet sich der Schlüssel, kann er brechen oder abrutschen und herumfliegend Schäden oder Verletzungen erzeugen. Außerdem ist die Kraft des Autos nicht ausreichend kontrollierbar. Im ungünstigsten Fall kannst Du so die Schraube abreißen oder verbiegen. Stattdessen solltest Du bei einer unlösbaren Mutter alle andren Schrauben wieder befestigen und eine Werkstatt aufsuchen. Die Fachleute kennen noch einige andere Tricks, die Du zu Hause nicht ohne weiteres umsetzen kannst.