Schrauben messen – einfach und sicher zur richtigen Schraubengröße

Gewinde messen mit der Schieblehre bzw. dem Messschieber
Gewinde messen mit der Schieblehre bzw. dem Messschieber

Für jede Anwendung gibt es die richtige Schraube und für jede Last die perfekte Schraubengröße. Aber halt – die erforderliche Schraubengröße zu kennen, ist eine Sache. Etwas ganz anderes ist dagegen die Feststellung, welche Größe eine vorliegende Schraube denn überhaupt hat. Hier erfährst Du, wie Du die Größe einer Schraube richtig ermittelst und worauf Du beim Messen achten solltest.

Schrauben messen – die Hilfsmittel

Hältst Du eine Schraube in der Hand, fragst Du dich sicherlich zuallererst, welches Hilfsmittel Du zur Ermittlung der Größe anwenden kannst. Erst danach stellt sich dann die konkrete Frage, wie genau denn das Messen nun von statten geht. Vor dem „Wie“ steht somit zunächst das „Womit“.

Schrauben richtig messen - Schieblehre / Messschieber
Schrauben richtig messen – Schieblehre / Messschieber

Gängigstes Werkzeug zur Bestimmung von Schraubengrößen ist der Messschieber, auch Schieblehre genannt. Dieser praktische Helfer sieht zwar zunächst sehr technisch und anspruchsvoll aus, ist aber mit dem richtigen Wissen sehr simpel in der Handhabung. Schieblehren bestehen in aller Regel aus zwei ineinander laufenden Schienen, wobei jede Schiene mit einer Messbacke ausgestattet ist. Sind die Schienen komplett zusammengeschoben, liegen die Messbacken press aufeinander. Werden sie auseinander bewegt, lässt sich ein Gegenstand dazwischen legen und von beiden Seiten zwischen den Backen einklemmen. Mit diesem Schritt erfolgt die Abnahme der vorhandenen Breite des Messtücks.
Die Ausgabe der ermittelten Breite kann nun auf zwei Wegen geschehen:

  1. Analoge Messschieber – Die altbewährten, analogen Messinstrumente verfügen auf beiden Schienen des Instruments über eine Skala. Meist ist auf einer Schiene eine aufsteigende Zahlenskala in Millimeter- oder Halbmillimeterschritten notiert, während auf der zweiten Schiene eine Anzeige angebracht ist, die bei Kontakt der Messbacken auf die Null der aufsteigenden Skala weist. Wird nun ein Messobjekt eingelegt, lässt sich auf der Skala der ermittelte Wert ablesen.
  2. Digitale Schieblehren – Noch komfortabler ist die Anwendung moderner, digitaler Messinstrumente. Die Ermittlung des Messwerts erfolgt auf gleichem Wege. Allerdings muss der Wert nicht mehr auf einer Skala ermittelt werden, sondern wird von einer digitalen Ausgabe direkt als Zahlenwert ausgegeben.
Messschieber Digitale Schieblehre, Preciva Edelstahl Messlehre Messwerkzeuge Spritzwasserdicht Staubdicht mit Ersatzbatterie - 150 mm
  • Digitaler Messschieber 150mm aus Edelstahl für Innen-, Außen-, Tiefen- und Stufenmessungen.
  • Aus rostfreiem Stahl, gehärtet, geläppte Führungsbahnen, mit Feststellschraube
  • Gut leserliches Display mit Einstellmöglichkeiten für mm und inch
  • Einfache Kalibrierung durch Null-Taste, sehr genaue und einfach zu bedienende digitale Schiebelehre
  • Messbereich: 0 bis 150 mm, Messgenauigkeit: 0,01 mm

Die Schraubengröße – Was steckt dahinter?

Um die Größe einer Schraube richtig ermitteln zu können, solltest Du außerdem in der Lage sein, die gängige Größenangabe zu verstehen und auf das vorliegende Objekt zu übertragen. Hierzu schauen wir uns einmal eine typische Bezeichnung an:
Als Beispiel nehmen wir eine durchschnittliche Schraube, wie sie für unterschiedlichste Dinge im Haushalt immer wieder vorkommt: 5 x 60
Was verrät dieser Wert? Obwohl es sich „nur“ um zwei Zahlen handelt, steckt in ihnen bereits alles, was man für die Bestimmung der Größe einer Schraube benötigt:

  1. Einheit: Üblicherweise wird die Schraubengröße in Millimetern angegeben. Die Größe dieser Schraube ist also 5 Millimeter x 60 Millimeter.
  2. Die Dicke der Schraube: Die Zahl vor dem x bezeichnet die Dicke der Schraube, genauer gesagt den Durchmesser des Schraubenteils, der in das Material eingedreht wird. Angegeben wird der maximale Durchmesser, also Außenkante des Gewindes. In unserem Beispiel ist das Gewinde 5 Millimeter dick.

    ACHTUNG: Je nach Schraubentyp kann der eventuell in Richtung Schraubenkopf anschließende, gewindefreie Schaft auch von diesem Maß abweichen. Daher ist die Information, dass es sich um die Dicke des Gewindes handelt, unerlässlich.

  3. Die Länge der Schraube: Die Zahl nach dem x gibt an, wie lang die Schraube ist. Die Länge bezieht sich dabei auf den Teil der Schraube, der in den Untergrund eingedreht werden kann. Wäre die Schraube unseres Beispiels etwa eine Senkkopfschraube, würde sich die Länge auf die absolute Länge von Oberseite Schraubenkopf bis zu Spitze beziehen. Bei einer Linsenkopfschraube dagegen bliebe der Kopf bei der Längenangabe außen vor, da er nicht im Untergrund verschwindet.

Was du sonst noch über Schraubengrößen wissen musst:

Immer wieder kommt es vor, dass eine Schraube nicht alleinig mit den zwei bereits erläuterten Zahlenwerten bezeichnet wird. So kann beispielsweise vor den Zahlenwerten ein M ergänzt sein, oder hintenangestellt eine Bezeichnung aus weiteren Zahlen folgen. Um die Inhalte kurz zu veranschaulichen, ergänzen wir unser Beispiel 5 x 60 um diese Angaben und erhalten so beispielsweise M 5 x 60 A2-70

  • Der vorangestellte Buchstabe M bezeichnet ein metrisches ISO-Gewinde. Er gibt also Auskunft über die Ausbildung der Windungen. Diese kannst du auch ganz einfach mit einer günstigen Gewindelehre bestimmen. Diese Lehren sind auch oft Teil eines Gewindeschneidsatzes und müssen nicht extra dazu gekauft werden.
  • Die Angabe A2 bezeichnet das Schraubenmaterial, in diesem Fall Edelstahl der Güteklasse A2.
  • -70 gibt die Festigkeitsklasse des Materials wieder.

In seltenen Fällen kann außerdem zwischen den Angaben zu Dicke und Länge eine weitere Zahl eingefügt sein, wie etwa 5 x 1 x 60. Diese zusätzliche Angabe gibt die Steigung des Gewindes wieder, also die verbrauchte Schraubenlänge für eine einzelne Windung. Hier würde eine Windung einen Millimeter Länge in Anspruch nehmen. Diese Angabe wird jedoch nur ergänzt, wenn die Steigung des Gewindes von der Norm abweicht und taucht daher nur bei besonderen Schrauben auf.

Richtig messen – So erhältst Du die richtigen Ergebnisse

Nachdem Du nun alles Nötige zu den Größenangaben weißt, gilt es, dieses Wissen in der Praxis umzusetzen. Zwar ist die Handhabung eines Messschiebers recht einfach, dennoch geschehen durch Unwissenheit häufig Fehler, die die Ergebnisse verfälschen. So ermittelst Du die korrekten Werte:

  1. Schraubendicke:
    • NICHT senkrecht zur Schraube messen, da die Messbacken ansonsten in die Gewindevertiefungen rutschen können und ein zu kleines Ergebnis wiedergeben
    • Stattdessen von der Spitze her Messbacken längst um das Gewinde legen
    • Bei zu langen Schrauben schräg messen, um eine Auflage über mehrere Windungen zu erzielen
  2. Schraubenlänge:
    • Schraubenkopf prüfen, bei Senkkopfschrauben Kopf mit einbeziehen, ansonsten Messung nur bis Übergang Schaft zu Kopf
    • Kurze Senkkopfschrauben senkrecht zwischen Messbacken einstellen und Gesamtlänge ermitteln
    • Längere Schrauben oder Schrauben mit nicht zu berücksichtigendem Kopf alternativ mit Meterstab oder Lineal messen

TIPP: Die Messung mit einem Meterstab wird durch die Schraubenspitze erschwert, da sich das Ende nur schwer bestimmen lässt. Einfacher geht es, wenn man die Schraube mit der Spitze auf eine harte Unterlage stellt und die Höhe ab Unterlage bis Unterkante Schraubenkopf ermittelt.

Messgenauigkeit und Toleranz

Immer wieder wirst Du beim Messen von Schrauben an einen Punkt kommen, wo Du dir nicht ganz sicher bist, welchen Wert Du nun ablesen musst. Die Gründe für solche Toleranzen sind vielfältig. So kann die Schraube selbst nicht ganz exakt gefertigt sein, oder sogar durch frühere Verwendungen eine gewisse Abnutzung aufweisen. Allerdings kann auch dein Messgerät eine gewisse Abweichung hinsichtlich seiner Genauigkeit beinhalten.

Deshalb sei an dieser Stelle erwähnt, dass Schraubengrößen – bis auf wenige exotische Sonderformen für spezifische Einzelanwendungen – bei uns genormt sind. So wie es beispielsweise auch bei anderen Werkzeugen wie Ring- oder Gabelschlüsseln der Fall ist, sind auch Schraubengrößen in fest definierten Abstufungen erhältlich. Normalerweise liegen dem Durchmesser einer Schraube immer ganze oder halbe Millimeter zu Grunde.

Hieraus ergeben sich immer wieder anzutreffende Größen wie …3, 3.5, 4, 4.5… . Einen Überblick über die gängigsten Größen findest du in unserer Schlüsselweiten Tabelle. Bei der Länge ist eine Unterteilung unterhalb ganzer Millimeter dagegen unüblich. Gängige Schraubengröße orientieren sich sogar an 5-Millimeter-Schritten. So sind im Handel meist nur Längen in den Abstufungen … 40, 45, 50, 55…. Millimeter zu bekommen.

Fazit – die Schraubengröße mit dem richtigen Werkzeug schnell und einfach bestimmen

Wie Du siehst, wird die zunächst kryptische Größenangabe einer Schraube mit dem richtigen Fachwissen plötzlich klar und einfach verständlich. Mit dem richtigen Messinstrument in Form einer Schieblehre kannst Du ab sofort die Größe deiner Schrauben einfach und sicher selbst bestimmen. Das ewige Abwägen und Vermuten und die Unsicherheit, ob die Größe nun stimmt oder nicht, gehören für Dich von nun an der Vergangenheit an.