Schrauben einfetten – warum, wie und womit?

Handwerker mit Schraubenschluessel.
Fett an Schrauben: Ja oder Nein?

Immer wieder sieht man, dass Handwerker und Monteure Schrauben vor dem Eindrehen einfetten. Aber welches Ziel verfolgen sie damit? Den Grund für Fett an Schraubengewinden, sowie alles Wissenswerte rund um das Thema Einfetten von Schrauben findest du im Folgenden.

Die Funktion von Fett an Schrauben

Verfolgst Du die angeregten Diskussionen rund um das Thema Schrauben, oder vielmehr Schraubengewinde fetten in verschiedenen Fachforen im Internet, so findest Du unzählige Gründe, warum man eine Schraube unbedingt einfetten sollte, aber auch, warum man nie im Leben Fett an ein Schraubengewinde bringen darf.

Unabhängig von den verschiedenen Argumentationen gibt es einige hieb- und stichfeste Gründe, warum Fett an der Schraube tatsächlich sinnvoll ist:

  • Rost: Gerade bei Schrauben aus nichtedlen Metallen, oder ohne schützende Beschichtung, kann Rost dazu führen, dass das Gewinde durch Rostpartikel extrem rau ist und das Eindrehen erheblich erschwert wird. Mit etwas Fett am Gewinde ermöglichst Du dennoch ein leichtes und kraftsparendes Eindrehen. Allerdings sollte das Fett nie ein Entrosten der Schraube ersetzen!
  • Reduktion des Eindrehwiderstands: Je rauer die Oberflächen von Schraubengewinde und Gegengewinde sind, umso mehr Kraft geht durch die Reibung verloren und steht erst gar nicht für das eigentliche Anzugsdrehmoment zur Verfügung. Gerade bei Verschraubungen mit sehr genau definiertem Anzugsdrehmoment ist es aber wichtig, die vorgegebene Kraft auch tatsächlich für den Kraftschluss aufzuwenden und nicht schon für den Reibungswiderstand beim Eindrehen zu vergeuden.
  • Korrosionsschutz: Selbst verzinktes Material oder sogar Edelstahl kann bei der Verwendung für Schraubverbindungen schnell korrodieren. Der Grund dafür können unterschiedlich edle Materialien von Schraube und Gegengewinde sein, aber auch hohe Belastungen durch Temperatur oder mechanische Spannungen. Eine dünne Fettschicht zwischen den Gewinden kann helfen, die Korrosion zu reduzieren.
  • Dauerhaftigkeit: Gerade bei häufig zu öffnenden Schraubverbindungen besteht die Gefahr, dass die Gewinde durch die Reibung bei den Ein- und Ausdrehvorgängen auf Dauer geschädigt werden. Durch das Fett sinkt die mechanische Belastung und gerade stark belastete Verschraubungen oder Schrauben mit besonders feinem Gewinde halten länger durch.
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Die Nachteile von Fett am Gewinde

Wie immer gilt auch hier, dass kaum ein Vorteil ohne einen Nachteil an anderer Stelle erkauft werden kann. Denn das erleichterte Ein- und Ausdrehen und die allgemein reduzierte Reibung zwischen den Gewindeteilen führt gleichzeitig zu einer reduzierten Selbstsicherungsfähigkeit der Verschraubung.

Normalerweise führt die vorhandene Reibung zwischen den Gewinden dazu, dass sich eine angezogene Schraube in diesem gespannten Zustand hält und in einem gewissen Rahmen auch nicht löst. Reduzierst Du nun durch den Einsatz von Fett diese Reibung, ist diese Fähigkeit nicht mehr in demselben Maße gegeben. Möglicherweise musst Du als Ausgleich eine anderweitige Sicherung der Verschraubung, etwa durch eine Unterlegscheibe, vornehmen.

Als kleinen Tipp solltest Du Dir unbedingt merken, dass die bekannten Schraubensicherungsmittel, die auf die Gewinde gegeben werden, in Kombination mit Fett natürlich nicht funktionieren. Du kannst es ganz gut mit dem Aufkleben eines Stickers auf Deinem Auto vergleichen. Hier gibst Du ja auch nicht Öl auf die Klebefläche, um ihn später wieder gut ablösen zu können.

Das richtige Fett

Nun weißt Du, warum der Einsatz von Fett bei vielen Verschraubungen durchaus sinnvoll sein kann. Als nächstes steht nun logischerweise die Frage im Raum, welche Art Fett sich hier eignet. Die Antwort ist leider nicht so simpel, wie Du es Dir vielleicht erhoffst. Denn das richtige Fett hängt stark von der Verschraubung bzw. der Schraube selbst ab:

  • Dünne Schmierfette zum aufstreichen oder -sprühen: bei sehr feinen Gewinden und kleinen Schraubendurchmessern
  • Feste Schmierfette: bei Schrauben mit grobem Gewinde und allgemein größeren Schraubendurchmessern
  • Fette mit besonderen Anforderungen: je nach Einsatzzweck z.B. wasserfest, hoch hitzebeständig etc.
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Richtig einfetten

Weißt Du erst einmal, ob und womit Du Deine Schraube einfetten willst, geht das eigentliche Einfetten einfach von der Hand:
Sprühfette sollten allseitig dünn aufgetragen werden, da bei einseitigem Aufsprühen eine gleichmäßige Verteilung nicht sichergestellt ist.

Streichfette trägst Du am besten mit einem Pinsel oder dem Finger auf, wobei Du das Fett immer entlang der Gewindesteigung aufstreichen solltest. Trägst Du das Gleitmittel nur in Schaftrichtung auf, streichst Du mit jeder Wendelung etwas Fett ab, welches dann aber nicht im Gewinde, sondern nur auf seiner Oberfläche sitzt. Auch hier ist nicht sichergestellt, dass an jeder Stelle des Gewindes Fett angelangt.

Zuletzt solltest Du die Menge des verwendeten Fettes so wählen, dass zwar überall Fett ankommt, die überschüssigen Mengen aber möglichst gering sind. Am Gewinde sitzendes Fett wird ansonsten ohnehin beim Eindrehen am Gegengewinde abgestreift. An der Schraubenspitze befindliches Fett wird dagegen in den Gewindegang gepresst und kann im Extremfall dazu führen, dass Du die Schraube nur mit großem Aufwand ganz eindrehen kannst.